Psychologie des Flirts
1. Flirten leicht gemacht – Schritt für Schritt
Manche unfreiwillige Singles glauben, sie müssten nichts anderes tun als einfach nur warten – eines Tages wird schon die Richtige/der Richtige kommen. Rein zufällig, versteht sich. Daher muss man auch nicht selbst aktiv werden, denken Betreffende.
Dummerweise warten solche Singles nicht selten ein Leben lang – und nichts passiert.
Studien haben ergeben, dass beispielsweise Frauen, die in einem Pub an der Theke sitzen, adrett gekleidet sind und einen offenherzigen Eindruck machen, sehr viel öfter pro Stunde angesprochen werden als passive Singles, die lustlos in der Ecke stehen.
Für Männer dürfte in etwa das Gleiche gelten. Aber in diesem Fall kommt noch ein besonderes Handicap hinzu. In unserer Kultur, ja eigentlich weltweit gesehen, hat es sich vor ewig langer Zeit eingebürgert, dass (eher) der Mann die Frau anspricht, nicht umgekehrt. Das bedeutet: das „starke Geschlecht“ hat, wenn Betreffende schüchtern sind, noch schlechtere Karten.
So, das hätten wir geklärt. Leider ergibt sich hier noch ein anderes Problem. Die Frage, die sich viele stellen, lautet: Wie flirtet man denn? Oder: Läuft ein Flirt nach bestimmten Kriterien ab?
Glücklicherweise haben zig Wissenschaftler eine Antwort auf letztere Frage gefunden. Sie lautet: ja. Und so sieht das Ganze verkürzt aus:
1. Ein Blick sagt mehr als 1.000 Worte. Es gilt die Faustformel: Je öfter sich ein Blickwechsel mit einem interessanten Menschen ergibt, desto mehr Sympathie liegt vor. Bedenken Sie: Bereits innerhalb von 150 Millisekunden entscheidet sich in unserem Gehirn, ob wir jemanden anziehend, uninteressant oder abturnend finden. (Genauer gesagt, die Zentren im limbischen System.) Daher ist ein Blickwechsel ein wichtiges Indiz. Noch ein kleiner Tipp: Wenn man jemanden reizvoll findet, schaut man ihn kurz an, verändert die Blickrichtung, und dann fixiert man ihn wieder. Das Ganze geschieht natürlich unbewusst.
2. Manche Singles ziehen sich stundenlang mit den Blicken aus und gehen irgendwann getrennt wieder nach Hause. Um eine solche im Nachhinein höchst qualvolle Situation („Ach, hätte ich doch nur …“) zu vermeiden, muss der nächste Schritt gegangen werden. Er heißt: Entfernungsverkürzung. Das heißt, einer der beiden muss die Nähe zum anderen suchen. Wer in zehn Metern Entfernung zur Salzsäule erstarrt, sollte sich nicht wundern, dass es nicht vorangeht. Am besten ist es, wenn Sie sich von der Seite annähern. Laufen Sie nicht frontal auf Ihren Flirt zu, das kann etwas zu tough rüberkommen.
3. Der nächste Schritt ist gewöhnlich sehr Angst auslösend. Das Ansprechen steht auf dem Programm. Hier spielt die Furcht vor der Abweisung eine große Rolle (siehe oben). Diese Furcht muss einer der beiden überwinden. Man sollte sich bewusst machen: Es kann eigentlich nichts schiefgehen, weil man sich schon vorher via Körpersprache signalisiert hat, dass man sich gegenseitig attraktiv findet. Also, atmen Sie tief durch, und dann eröffnen Sie einen netten Small Talk. Ein „Hallo, ich bin …, wer bist du?“ reicht schon aus. Ihr Flirtpartner wird sich ebenfalls darum bemühen, ein Gespräch in Gang zu bringen. Möglich ist auch: „Na, was trinkst du denn da?“ – oder: „Trinkst du einen Cocktail mit mir oder wartest du auf jemanden?“
4. Suchen Sie Gemeinsamkeiten, das verbindet. Aber nicht das Gespräch vorher im Geiste vorausplanen! Das nimmt der Unterhaltung ihre Natürlichkeit und Spontaneität. Während des Small Talks müssen Sie Ihre positiven Emotionen, für die natürlich Ihr Gesprächspartner verantwortlich ist, auch zeigen können. Hierzu gehört auch ein authentisches Lächeln. Wenn Sie Probleme damit haben, darf man im Alltag ruhig das Flirten üben. Hierzu gibt es viele Möglichkeiten. Übung macht bekanntlich den Meister.
5. Körpersprache einsetzen. Psychologen und Menschenkenner wissen: Die Kommunikation spielt sich zu circa 70 Prozent auf der körpersprachlichen Ebene ab. – Tipps für Frauen: Wenn Sie Ihrem Partner zu verstehen geben wollen, dass Sie Interesse haben, dann senden Sie typisch feminine Signale, etwa Folgendes: mit der Hand durch die Haare streichen, Kopf schräg legen, Schokoladenseiten zur Geltung bringen und so weiter. – Tipps für Männer: Brust raus, Bauch rein; selbstsicher dastehen, offene Mimik und Gestik zeigen, ausladende Gesten dürfen das, was Sie sagen, leicht unterstreichen.
6. Körpersprache des Gesprächspartners spiegeln. Studien haben ergeben, dass wir die Körpersprache von Mitmenschen, die wir mögen, unbewusst nachahmen. Das heißt, wenn Sie aktiv Sympathie herstellen wollen, konzentrieren Sie sich aufs Spiegeln. Zum Beispiel so: Ihr Partner greift zum Glas und trinkt, Sie tun es ihm wenig später gleich. Er will Ihnen etwas ins Ohr sagen, weil es drum herum zu laut ist: Sie kommen ihm entgegen. Er lehnt sich zurück, Sie ebenso. Das Ganze muss natürlich professionell und häppchenweise eingestreut werden. Probieren Sie es mal aus.
Fazit: Es gibt keine perfekte Anleitung zum Flirten. Die jeweilige Situation, in der man sich befindet, erfordert vielleicht spezielle Abfolgen. Das heißt, Sie müssen eventuell eine Stufe auslassen, andere überspringen und so weiter.
Ein Beispiel. Stellen Sie sich vor, Sie würden gerade in einer U-Bahn sitzen, auf einem Vierer. Gegenüber von Ihnen liest ein attraktiver Vertreter des anderen Geschlechts einen Krimi. Sie wissen: Noch vier Stationen, dann müssen Sie aussteigen. Was nun? Tja, mit dem Blickkontakt ist das schon mal schlecht. Aber Sie wissen ja: Gemeinsamkeiten verbinden. Wie wäre es mit folgendem Satz: „Ich kenne das Buch; es ist gut geschrieben. So wie der Rest von dem Typen.“ (Natürlich kann man auch anders ansetzen.)
Egal wie, es bringt sehr viel, eine gemeinsame Basis herzustellen. Und auch, wenn es sich in diesem Fall nur um ein Buch handelt. Vielleicht kommen Sie durch einen solchen Satz zu weiteren Informationen, an die Sie wieder anknüpfen können, etwa: „Ja, das Buch lesen wir gerade an der Uni?“ Antwort: „Ach, du studierst?“
Nun denn: Viel Spaß beim Ausprobieren! Denken Sie dran: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
2. Flirten mit Köpfchen – aber bitte ohne Über-Ich
Der „innere Kritiker“ kann uns, wie jeder weiß, so manchen Flirt versauen, sogar schon vorauseilend. Darüber haben wir ja schon oben gesprochen. Doch es gibt Wege, den „inneren Schweinehund“ auszutricksen, um passende Alltagssituationen auszunutzen zu können.
Wer sich selbst besser verstehen will, kommt um den Begriff „Über-Ich“ nicht herum. Und um Tiefenpsychologie im Allgemeinen sowieso nicht.
Was ist das „Über-Ich“. Kurz gesagt, handelt es sich dabei um eine innerpsychische Instanz, die unter anderem unsere Normen und (moralischen) Wertvorstellungen beinhaltet.
Sigmund Freud ist bei seiner Arbeit Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals auf das Über-Ich gestoßen. Bis vor wenigen Jahren galten seine Theorien aus Sicht von Universitäts-Psychologen als kalter Kaffee; sie haben infolgedessen auch das Über-Ich belächelt. Ein Irrtum, wie sich vor wenigen Jahren herausstellte. Daher lächelt man heute über Universitäts-Psychologen.
Innovative Neurowissenschaftler wie Antonio Damasio oder Marc Solms haben durch Experimente das Über-Ich genauer lokalisiert: es ist im Stirnhirn verortet (obwohl natürlich klar ist, dass nicht ein einziger Bereich im Gehirn für lediglich eine „Sache“ zuständig ist).
Beispielhaft wird von einer weiblichen Testperson berichtet, die infolge eines Autounfalls schwere Gehirnverletzungen davongetragen hat. Genauer gesagt, ihr Stirnhirn wurde beschädigt. Ich machs kurz Folge: völlige Gewissenlosigkeit!
Werden wir hinsichtlich unsere Hauptthemas konkret: Jeder von uns hat ein Über-Ich, das vor allem aus verinnerlichten Vorschriften und gesellschaftlichen Verboten aller Art besteht. Maßgeblich bei der Über-Ich-Entwicklung sind natürlich die Eltern. Tun – oder denken – wir etwas, das unserem Über-Ich widerspricht, fühlen wir uns nicht wohl in unserer Haut. In solchen Fällen haben wir dann meistens Gewissensbisse. Vielleicht ist das ja bei Ihnen der Fall, wenn Ihnen beim Besuch der Schwiegermutter irgendwelche Gewaltfantasien durch den Kopf gehen. Was weiß ich…
Ein weiterer Haken – und jetzt kommen wir zur Sache: Manche haben so ihre Problemchen, „einfach so“ jemanden anzusprechen, um etwa mit ihm zu flirten, weil „man das nicht einfach so macht“. Natürlich ist dies nur die Perspektive des Betreffenden. Das Gewissen ist ja individuell. Man hat schon den Impuls, den anderen kennenzulernen. Dieser Impuls ist ja angeboren, stammt also, psychoanalytisch gesprochen, aus dem „Es“. Doch das Motiv wird zeitgleich(!) von einem rigiden Über-Ich bekämpft, und zwar gefühls- und gedankenmäßig. Was tun?
- Flirtmuffel sollten sich zunächst einmal bewusst machen, dass eventuell lediglich spießige Bezugspersonen die eigene Schüchternheit mitverursacht haben könnten. Das hilft schon mal beim Überwinden.
- Eine andere Idee: Überrumpeln Sie Ihr Über-Ich, indem Sie in verheißungsvollen Situationen schnell handeln, also den Flirt in spe sofort ansprechen. Bevor sich dann störende Gedanken einschleichen können, sind Sie schon im Gespräch.
- Extreme Fälle dürfen auch – und dieser Tipp wird deren Über-Ich jetzt erzürnen – auch mal ein Gläschen Prosecco abzischen, bevor Sie die Stadt unsicher machen. Bekanntlich ist das Über-Ich in Alkohol löslich. Daher kommt übrigens auch der Spruch, nebenbei erwähnt, dass Betrunkene vorwiegend die Wahrheit sagen; und auch Kinder (aber nur, wenn ihr Über-Ich noch nicht ausgereift ist). Aber nicht übertreiben! Ein Gläschen reicht. Das sollte außerdem nicht zu Gewohnheit werden.
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