Inhalt
Einleitung 4
Grundlagen 6
Persönlichkeit, schwierige Persönlichkeit, Persönlichkeitsstörung 7
Ursachen von nervtötenden Charaktereigenschaften und wieso Betroffene sich selbst nicht als problematisch empfinden 11
Nervensägen 14
„Ich bin der Superstar!“ – Narzisstische Persönlichkeiten 20
Allgemeine Beschreibung 21
Auffällige Denkmuster 23
Was steckt dahinter? 23
Spiele 24
Kommunikation und Körpersprache 25
Zusammenfassung 26
„Never lose control!“ – Zwanghafte Persönlichkeiten 26
Allgemeine Beschreibung 27
Auffällige Denkmuster 28
Was steckt dahinter? 29
Spiele 29
Kommunikation und Körpersprache 30
Zusammenfassung 31
„Machos“ und „It-girls“ – Histrionische Persönlichkeiten 31
Allgemeine Beschreibung 32
Auffällige Denkmuster 36
Was steckt dahinter? 37
Spiele 38
Kommunikation und Körpersprache 40
Zusammenfassung 41
„Fürchte dich nicht, ich bin bei dir!“ – Helfertypen und Hilflose (Dependente Persönlichkeiten) 42
Allgemeine Beschreibung 43
Auffällige Denkmuster 44
Was steckt dahinter? 44
Spiele 45
Kommunikation und Körpersprache 46
Zusammenfassung 48
„Ich genüge mir selbst!“ – Schizoide Persönlichkeiten 49
Allgemeine Beschreibung 49
Auffällige Denkmuster 50
Was steckt dahinter? 51
Spiele 51
Kommunikation und Körpersprache 52
Zusammenfassung 53
„Alle sind gegen mich!“ – Paranoide Persönlichkeiten 53
Allgemeine Beschreibung 54
Auffällige Denkmuster 55
Was steckt dahinter? 55
Kommunikation und Körpersprache 56
Zusammenfassung 57
Konstruktiver Umgang mit Nervensägen 58
Was man immer bedenken sollte 59
Die Schlüssel zum Erfolg – Anpassung und Konfrontation 60
Allgemeine Empfehlungen zum Umgang mit Psycho-Spielchen 62
Narzisstische Persönlichkeiten 64
Zwanghafte Persönlichkeiten 71
Histrionische Persönlichkeiten 77
Dependente Persönlichkeiten 88
Schizoide Persönlichkeiten 98
Paranoide Persönlichkeiten 102
Resümee und Ausblicke 109
Literatur 114
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„Ich bin der Superstar!“ – Narzisstische Persönlichkeiten
Ralf, ein Bekannter aus der guten alten Studentenzeit, meldete sich vor einem halben Jahr. Nach dem Studium hatten wir uns aus den Augen verloren. Er „hat es endlich geschafft“, erzählte er stolz am Telefon. Wollte nach dem Studium richtig hoch hinaus. Und so kam es dann auch.
Seine steile Karriere als Selbstständiger ist beeindruckend. Mittlerweile ist der ehemalige Paketzusteller stolzer Besitzer einer populären Diskothek im Zentrum einer norddeutschen Großstadt. Namhafte DJs haben schon bei ihm aufgelegt. Wir vereinbarten ein Treffen, und ich fuhr zu ihm.
In seinem kostspieligen Penthouse („geschmeidige 176 Quadratmeter“) in der Innenstadt fühlt sich wahrscheinlich jeder Besucher wohl, genauer gesagt, überwältigt. „Hat mich eine ganze Stange Geld gekostet!“, warf er mir bei der unvermeidlichen Besichtigung entgegen. „Aber ich hab die Bude schon abbezahlt. Bar, versteht sich.“ Zahlreiche Luxusartikel imponierten. Er hatte z.B. einen echten „Perser“, teures antikes Mobiliar sowie eine zur Schau gestellte Sammlung edler Uhren aus dem 19. Jahrhundert. „Das sind originale Vitrinen!“ Natürlich fehlte auch nicht ein exklusiver Plasma-Fernseher (neuestes Modell). An einer Wand im geräumigen Wohnzimmer hingen außerdem teure Gemälde eines populären Malers.
„Mein Leben gefällt mir derzeit sehr“, philosophierte er bei einem Glas Champagner; er beschrieb es als „Highlife“. Ich fand: Vor allem geht es dir um ständige Abwechslung, Exklusivität und imposante Außenwirkung. Aber das behielt ich natürlich für mich. Ich lehnte mich während des Gesprächs entspannt zurück und lies mich berieseln. Die Zugfahrt zuvor hatte es schließlich in sich, und der Champagner war schließlich auch nicht einer von der billigen Sorte. Klar. Meine Passivität schien ihm stark entgegen zu kommen. Es war rückblickend tatsächlich so, als hätte ich die Rolle eines Interviewers innegehabt. Ich musste nur Stichwörter geben – und schon ging es los. Unterbrochen wurden Ralfs Monologe nur durch ankommende SMS. „Ah, sieh an, die Sandra. Habe ich mal in meiner Disco auf der Toilette vernascht! Gute Nummer!“ – „Tatsächlich?“
Als wir uns nach zwei Stunden aufmachten, dauerte es nicht lange und wir (= er) waren 100,- Euro ärmer. „Kein Problem, du armer Student, wo das herkommt, da ist noch viel mehr.“ [Armer Student?] Natürlich genehmigten wir uns ausschließlich die angesagtesten Lounges und Bars in der Stadt. Viele kannten und begrüßten ihn. So sieht es wohl aus, dachte ich so vor mich hin, wenn ein Star auf Tour ist. Ein paar „nette“ Bemerkungen über Bedienungen („Schau dir nur die armen Schlampen an, was die für einen scheiß Job machen!“) und Tischnachbarn („Ach Gott, da drüben: Banker! Zählen das Geld von anderen! Erbärmliches Volk!“) rundeten den ereignisreichen Abend ab.
Allgemeine Beschreibung Ich-Menschen wollen grundsätzlich von anderen anerkannt und wertgeschätzt werden. Weitere Bedürfnisse können nach den Erkenntnissen von Rainer Sachse (2004) Wichtigkeit und Solidarität der eigenen Person gegenüber sein. Die eigenen Fähigkeiten werden gewöhnlich maßlos überschätzt. Betreffende haben Omnipotenzvorstellungen á la „Eigentlich könnte ich, wenn ich nur wollte, alles machen“.
Gesellschaftlich erfolgreiche Narzissten sind aus ihrer Sicht „was Besseres“ und haben demzufolge VIP-Status (Sachse 2002). Aber auch Egomanen, die gar nichts im Leben erreicht haben, fühlen sich superwichtig und toll.
„Besondere“ Menschen verdienen selbstverständlich auch ausgeprägte Sonderbehandlung („Bedienung, wir brauchen den besten Tisch hier!“) – was sehr arrogant auf die Umwelt wirken kann. Sie sind davon überzeugt: „Ich bin besser/reicher/gebildeter/schöner/erfolgreicher als die allermeisten.“ Die anderen werden daher stets mit allen möglichen Mitteln nach unten gedrückt und belächelt. – Narzissten sind wahre Läster-Experten.
Parallel hierzu existiert immer auch das Bestreben, bestimmte Personen zu glorifizieren. D.h., sie schauen auf das „Fußvolk“ herab; auf der anderen Seite verehren sie Mitmenschen, die ganz besonders erfolgreich in demselben Beruf, derselben Sportart o.Ä. sind. Warum die Idealisierung? Weil man echte Leistungsträgeraus demselben Metier nicht leicht schlechtreden kann. Daher verherrlicht man sie, das ist besser für das Selbstwertgefühl.
Trotz ihrer Überheblichkeit sind Narzissten aber auch gleichzeitig abhängig von der Bereitschaft ihrer „Bewunderer“, Anerkennung zu suggerieren. Bleibt der Beifall der Menge aus, geht es mit der Stimmung ganz schnell bergab und verdrängte negative Selbstzuschreibungen, die immer vorliegen, können abrupt aufkommen (davon später mehr). Zusammenfassend gesagt: Nach außen hin erscheinen Betreffende selbstbewusst und stark, im Inneren gibt es viele „wunde Punkte“. Daher reagiert man auch so heftig auf Kritik.
Unabhängig vom geistigen Horizont ist die Fähigkeit, „über Leichen zu gehen“. Narzisstisch Strukturierte, die es bis in die Führungsebene von großen Wirtschaftsunternehmen schaffen – was sehr oft vorkommt –, können, ohne dass sich etwa ein schlechtes Gewissen melden würde, locker-flockig im Zuge einer Neustrukturierung 10.000 Mitarbeiter „zum Wohle des Konzerns“ entlassen (bzw. zum Wohl der Aktionäre). Es mangelt eben an Empathie (Einfühlungsvermögen).
Eine weitere Charakteristik ist die ausgeprägte Selbstdarstellung in Gesprächen. Sie reißen nach und nach das Heft an sich und geben ab einem bestimmten Punkt nur noch Interviews. Bei Familienfeiern etwa wird der Rest der Sippe zum beeindruckten Publikum degradiert, das den „unglaublichen Geschichten“ des Superstars lauschen „darf“ („Gähn“). In solchen Momenten kann man entweder als „gespannter Zuhörer“ mitspielen – oder muss sich umdrehen und gehen.
In Bezug auf Freundschaften sind Betreffende manipulativ und ausbeuterisch. Sie beurteilen andere gerne nach ihrem äußeren Erscheinungsbild und vor allem nach dem Nutzen, den sie einem bringen. Ein Beispiel dafür ist etwa eine narzisstische (weibliche) Schönheit, die mit einer durchschnittlich aussehenden „Freundin“ unterwegs ist, um sich von ihr äußerlich positiv abzuheben. Dadurch macht Erstere noch mehr Eindruck auf die Männerwelt, was insgeheim beabsichtigt ist.
Auch bei der Wahl des Lebensabschnittsgefährten zeigen sich egoistische Motive. So sucht man häufig anpassungsfähige, altruistische (aufopferungsvolle) Partner, kurz gesagt solche, die dem charakterlichen Gegenpol entsprechen. Der Vorteil eines solchen Komplementärnarzissten liegt vor allem darin, dass er den anderen gewöhnlich idealisiert; daher wird der Bewunderer vor allem eines nicht tun: mit dem Narzissten konkurrieren (Willi 1975/2001).
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