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Warum Männer und Frauen Affären haben
In allen Kulturen gibt es außereheliche Beziehungen. Seitensprünge sind selbstverständlich nicht nur Männersache, auch zahlreiche Frauen erleben kurzzeitige sexuelle Außenbeziehungen. Untersuchungen haben ergeben, dass zirka 20-50 Prozent aller verheirateten amerikanischen Frauen außereheliche Affären haben. In Deutschland dürften sich die Verhältnisse kaum groß von den amerikanischen unterscheiden.
Was haben „Mann“ und „Frau“ davon, ihren Partner zu betrügen? Schließlich nehmen Betreffende viele Risiken auf sich.
Bei Männern liegt klar auf der Hand: Der Vorteil liegt in der effizienteren Streuung der eigenen Gene. Man kann ganz ruhig davon ausgehen, dass (wir) Männer einen angeborenen Antrieb zur „Reproduktion auf breiter Linie“ haben. Nur ein Beleg: In einer Untersuchung von David Buss, seines Zeichens führender Vertreter der Evolutionspsychologie, gaben die befragten Männer im Durchschnitt an, sie würden sich acht Sexualpartner in den nächsten drei Jahren wünschen. Frauen hätten gerne lediglich einen bis zwei. Dies entspricht obiger Annahme.
Nun zu den Frauen. Wieso haben auch sie Affären? Aus evolutionstheoretischer Perspektive gehen sie fremd, weil es von Natur her nützlich ist, die besten Gene an die Nachkommen weiterzugeben. – Frauen können durch sexuelle Abenteuer Kinder mit genetisch größerer Vielfalt zur Welt bringen. Dies ist letztendlich für den einen oder anderen vielleicht sehr „anstößig“, aber biologisch sinnvoll.
Eine ansprechende neuere Erkenntnis untermauert diese Ausführungen. Betrachten wir kurz die allgemeinen Gesetze der weiblichen Partnerwahl. Geht es dem „schwachen“ Geschlecht um den Start einer ernsthaften, wenn möglich lebenslangen Partnerschaft, so wünscht „sie“ sich eher einen Gefährten, der (a) einen hohen gesellschaftlichen Status hat, (b) materielle Ressourcen (Geld und Besitz) bereitstellen und (c) mit Kindern umgehen kann. Die körperliche Schönheit steht im Durchschnitt, wenn es um einen Lebenspartner(!) geht, weniger hoch im Kurs.
Die Ansprüche wandeln sich aber grundlegend, sobald eine Frau einen Seitensprung inszenieren will. Oberste Priorität hat dabei (welche Wunder) – Attraktivität. Symmetrische, vor allem „maskuline“ Männer werden ausgewählt; meistens sogenannte Machos. Wenn wir nun festhalten, dass symmetrische Gesichter und ebensolche Körper mit Gesundheit, Testosteron und Fitness zusammenhängen, scheinen Frauen tatsächlich bei Affären auf „gute Gene“ Wert zu legen. Die Männer, die für eine Affäre „taugen“, müssen des Weiteren nicht unbedingt kinderlieb oder nett sein, oder etwa ernst gemeinte Komplimente machen; ferner hat auch der Intellekt des Mannes bei Seitensprüngen durchschnittlich so gut wie keine Bedeutung. Der Spruch „Ein guter Spender ist nicht unbedingt ein guter Vater“ trifft in diesem Fall oft zu.
Wichtig zu erwähnen ist noch, dass sich die Wahrnehmung der Frau ändert, wenn sie fruchtbar ist (12.-14. Tag des Zyklus). Männern gegenüber erscheint sie dann generell flirtwilliger; sie geht auch öfter unter Leute und kleidet sich öfter sexy. Eine weitere Auswirkung betrifft die Wahrnehmung des sozialen Umfeldes: Männer, die man vorher eher als unsympathisch eingeschätzt hat, besonders die attraktiven und „arroganten“, sind in den fruchtbaren Tagen nicht mehr „ganz so“ abstoßend.
Zusammengefasst gesagt, Männer wie Frauen verbuchen Vorteile aus Affären, weil sie der evolutionären Logik entsprechen. So kommt es auch, dass, weltweit betrachtet, jedes zehnte Kind, das auf die Welt kommt, von einem Nebenbuhler gezeugt wurde.
Natürlich muss man diesem Antrieb nicht folgen, klarer Fall. Das gilt für beide Geschlechter. Dafür sollte man aber auch wissen, dass er überhaupt existiert. Ich kann ja erst etwas bewusst unterdrücken, wenn ich weiß, was unterdrückt werden kann. Leider wissen nicht viele Menschen vom natürlichen Antrieb zur Untreue.
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