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Leser
fragen, Dr. Marcus Damm antwortet ...
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Leserbriefe
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Marion, 36, Pädagogin, Stuttgart, E-Mail vom 18.04.2003
Betreff: Gerate immer an hilfsbedürftige Männer
Marion: "Sehr geehrter Herr Damm, ich habe folgendes Problem: Vor einigen Monaten ist mir ein Licht aufgegangen über ein immergleiches Thema in all meinen bisherigen Partnerschaften, egal welchen Partner ich hatte. Ich habe über einen längeren Zeitraum stets Männer gehabt, die mich als Mutterersatz gesehen haben. Ich musste also übermäßig bemuttern, bekochen, umsorgen. Das ist ja nicht so schlimm. Aber eigene Wünsche, dass der Spieß einmal umgedreht wird (bin ja nicht NUR Mutter), wurden permanent unterbunden (wurde ich krank, wurde der Mann umso kränker). Ich will nicht immer die Umsorgende sein. Was kann ich tun? Ich will raus aus diesem
Teufelskreis!"
Dr. Damm: "Liebe Marion, es kann sein, dass du deswegen an Männer mit unbewältigtem Ödipuskomplex gerätst, weil du von diesen in die Schublade
"Mutter" gesteckt wirst. Sie verlangen von dir die Position des Versorgers, idealisieren dich darin, wollen dir keine anderen Rollen zugestehen als nur diese. Dass du fortwährend diese Männer ? unbewusst ? angezogen hast, hat sicher viele Gründe. Z.B. erinnerst du vielleicht aufgrund deines Erscheinungsbildes Männer an eine
"ideale Mutter": Gemütliches, heimeliges Äußeres, weibliche Figur, dicke Pullover, Wollschals, Hirtenmäntel o.ä. Deine Berufswahl spricht ebenso dafür, dass du höchstwahrscheinlich einen Tick zum Umsorgen hast. Da spielt vielleicht was ? unbewusst ? zusammen bei der Partnerwahl. Was meinst du? Denke über dich selbst nach, über deine Art, deinen Charakter. Bei einer Partnerwahl agieren nämlich immer beide Individuen zusammen.
Mein Tipp: Durch Bewusstwerdung deiner eigenen Persönlichkeit wird sich das Rätsel lösen. Ich empfehle dir
"Die Zweierbeziehung" von Jürg Willi, dort ist dein "Thema" .u.a.
beschrieben."
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Lars, 34, Hamburg, E-Mail vom 15.04.2003
Betreff: Kann man das Flirten lernen?
Lars: Ich kann nicht flirten und bin schüchtern, was kann ich machen?
Dr. Damm: "Jeder kann flirten, das Verhalten von der Kontaktaufnahme bis zur sexuellen Vereinigung ist komplett angeboren. Du hast es schon selbst begründet, warum du nicht flirten kannst: Schüchternheit. Diese Angst bremst von innen die Flirtbereitschaft. Frage dich, woher die Angst kommt, mache sie bewusst und überwinde sie so. Verschaffe dir ferner eine philosophische Gleichgültigkeit gegenüber dem Alltagsgeschehen, das Leben ist so oder so kurz. So nimmt man alles leichter. Je lockerer du wirst, desto eher kannst du einen Flirt anregen. Denke an das Gesetz der Wahrscheinlichkeit: irgendwann wird sich ein Flirt ergeben. Es muss ja so sein. Aktivität ist das A und O. Wer nichts tut, ist selber schuld. Zur philosophischen Gleichgültigkeit: lies Albert Camus, z.B.
"Der Mythos von Sisyphos"."
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Katja, 45, Mannheim, E-Mail vom 13.01.2003
Betreff: Langeweile in der Partnerschaft
Katja: "Lieber Marcus Damm, meine 12-jährige Partnerschaft kommt mir jetzt sehr leer und beziehungslos vor. Wie bringe ich wieder
"Feuer unters Dach?""
Dr. Damm: "Schaffe Distanz in der Beziehung, unternimm viele Beschäftigungen alleine. Selbstentwicklung ist ebenso nie schadhaft, Entwicklung in der Zweierbeziehung ist an individuelles Fortkommen gebunden. Stillstand ist der Tod. Besuche VHS-Kurse, erweitere deinen Horizont. Wer sich interessiert, der ist interessant! Praktiziere einen
"Verwöhnungstag" mit deinem Partner, an dem Einer jeweils dem Anderen alle Wünsche an diesem Tag erfüllt. Ein Tag in der Woche, an dem ihr euch eine Flasche Wein aufzieht, an einen Tisch setzt und jeweils 10 Minuten ? ohne dass der Andere unterbricht! ? die positiven und negativen Erfahrungen der Woche mit dem Anderen schildert, ist ebenso sehr förderlich zur Steigerung der Paarqualität." PS: Die Flasche Wein ist als Entspannungsfaktor gedacht.
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Michael, 37, Saarbrücken, E-Mail vom 05.02.2003
Betreff: Was sagt man beim Flirten als Erstes?
Michael: "Sehr geehrter Herr Damm, mir fällt einfach nicht der richtige Satz ein, wenn ich mich schon mal überwinde, eine unbekannte Frau anzusprechen. Was ist der richtige
Satz?"
Dr. Damm: "Es gibt nicht den optimalen Satz für alle Situationen, aber dafür einen vielversprechenden Ansatz für jede Sachlage. Das Geheimnis liegt darin, dass man die Gesprächseröffnung mit einer Alternative versieht oder ganz simpel eine gemeinsam erlebte Situation kommentiert. Mit Alternative meine ich, dass man dem anderen die Chance gleich mitgibt, den verbalen Flirt abzulehnen. Nicht jeder will immer flirten, oft hat man eigene Sorgen oder Kummer o.ä. Also, ein Beispiel: ein gleichgeschlechtliches »Zweiergespann« (sehr oft zu beobachten) ist Donnerstagsabends auf der »Piste« unterwegs. Eine Anmache ? jetzt mit Alternative ? adressiert an interessante Menschen würde lauten: »Hallo, macht ihr (oder »machst du«, je nachdem) heute einen Frauenabend (bzw. Männerabend) oder dürfen wir uns zu euch an den Tisch setzen?« (z.B. Café, Disco, Kneipe usw.) Wer mit Ihnen flirten will, bejaht den Wunsch, wer nicht, aus welchen Gründen auch immer, erwähnt den Frauen- oder Männerabend. So muss keiner das Gesicht verlieren oder einen Korb
kassieren."
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Sabrina, 27, Angestellte, Landau, E-Mail vom 24.12.2002
Betreff: Was ist Schönheit beim anderen Geschlecht?
Sabrina: "Lieber Marcus Damm, was ist Schönheit. Das konnte mir bisher noch niemand sagen.
Dr. Damm: "Das, was wir als schön beim anderen Geschlecht empfinden, setzt sich zusammen aus drei verschiedenen Komponenten. 1. unsere angeborene Programmierung (Schönheit im Sinne der sexuellen Merkmale ? evolutionsbiologisch zu verstehen); 2. Gesellschaftliches Schönheitsideal, z.B. Medien (es beeinflusst unser Empfinden von Schönheit); 3. Kindheitserfahrungen mit dem gegengeschlechtlichen Elternteil (Merkmale des Erscheinungsbildes des gegengeschlechtlichen Elternteils können für die Partnerwahl im Erwachsenenalter entscheidend sein ? falls wir dadurch an unsere Mutter bzw. an den Vater erinnert fühlen)."
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